OM3, OM4 oder OS2 – welche Glasfaser brauche ich?
OM3 und OM4 sind Multimode-Fasern für kurze bis mittlere Glasfaserstrecken. OS2 ist dagegen eine Singlemode-Faser und eignet sich besonders für größere Entfernungen, FTTH, Campus- und Backbone-Verbindungen.
Welche Faser tatsächlich richtig ist, hängt nicht nur von der gewünschten Datenrate ab. Entscheidend sind insbesondere Entfernung, vorhandene Infrastruktur, Transceiver, Ethernet-Standard, Steckverbinder und das optische Dämpfungsbudget.
Die kurze Entscheidung: Für eine bestehende OM3-Installation kann OM3 weiterhin sinnvoll sein. Für neue Multimode-Verbindungen in Serverraum, Rechenzentrum und Gebäuden ist OM4 häufig die flexiblere Wahl. Für FTTH, größere Entfernungen oder eine neu geplante Singlemode-Infrastruktur ist OS2 häufig die passende Basis.
OM3
Bewährtes Multimode
- 50/125 µm Multimode
- laseroptimierte Faser
- typisch für bestehende LAN- und Rechenzentrumsverkabelungen
- 10GBASE-SR typ. bis 300 m
- 40GBASE-SR4 typ. bis 100 m
Sinnvoll besonders dann, wenn bereits OM3 installiert ist.
OM4
Mehr Leistungsreserve
- 50/125 µm Multimode
- höhere modale Bandbreite als OM3
- typisch für neue Multimode-Verbindungen
- 10GBASE-SR typ. bis 400 m
- 40GBASE-SR4 typ. bis 150 m
Für neue Multimode-Strecken häufig die bevorzugte Wahl.
OS2
Singlemode für große Entfernungen
- 9/125 µm Singlemode
- für FTTH, FTTB, WAN und Backbone
- für Campus- und Gebäude-Verbindungen
- Reichweite abhängig vom Transceiver
- bei FTTH häufig LC/APC oder SC/APC
Für lange Strecken und Singlemode-Infrastrukturen.
Schnellentscheidung: Welche Faser sollte ich wählen?
1 Bestehende OM3-Verkabelung erweitern?
OM3 kann weiterhin sinnvoll sein, wenn vorhandene Fasern und Transceiver auf OM3 ausgelegt sind.
2 Neue Multimode-Strecke im Serverraum?
OM4 bietet gegenüber OM3 mehr Reichweiten- und Bandbreitenreserve.
3 10 Gigabit innerhalb eines Gebäudes?
OM4 ist mit passenden 10GBASE-SR-Transceivern für Strecken bis typischerweise 400 m geeignet.
4 40 oder 100 Gigabit im Rechenzentrum?
OM4 kann passen – zusätzlich müssen Ethernet-Standard, Transceiver und Stecksystem wie LC oder MPO/MTP geprüft werden.
5 FTTH oder direkter Glasfaser-Router?
Hier wird typischerweise OS2 Singlemode verwendet. Zusätzlich LC/APC oder SC/APC prüfen.
6 Gebäude oder Campus über größere Entfernung verbinden?
Bei Neuplanung sollte OS2 mit geeigneter Singlemode-Optik besonders berücksichtigt werden.
OM3, OM4 und OS2 im direkten Vergleich
| Eigenschaft |
OM3 |
OM4 |
OS2 |
| Fasertyp |
Multimode |
Multimode |
Singlemode |
| Fasermaß |
50/125 µm |
50/125 µm |
9/125 µm |
| Effektive modale Bandbreite bei 850 nm |
2.000 MHz·km |
4.700 MHz·km |
nicht vergleichbar – Singlemode |
| Typische Lichtquelle |
850-nm-VCSEL |
850-nm-VCSEL |
Singlemode-Laser, abhängig vom Standard |
| 10 Gigabit Ethernet |
10GBASE-SR typ. bis 300 m |
10GBASE-SR typ. bis 400 m |
z. B. 10GBASE-LR typ. bis 10 km* |
| 40 Gigabit Ethernet |
40GBASE-SR4 typ. bis 100 m |
40GBASE-SR4 typ. bis 150 m |
je nach Singlemode-Standard und Transceiver* |
| 100 Gigabit Ethernet |
z. B. 100GBASE-SR4 typ. bis 70 m |
z. B. 100GBASE-SR4 typ. bis 100 m |
abhängig vom gewählten Singlemode-Standard* |
| Typische Steckverbinder |
LC, SC, bei Paralleloptik MPO/MTP |
LC, SC, bei Paralleloptik MPO/MTP |
LC oder SC, bei FTTH häufig APC |
| Typischer Einsatz |
bestehende LAN- und Rechenzentrumsnetze |
Serverraum, Rechenzentrum, Gebäudenetz |
FTTH, FTTB, Campus, WAN, Backbone |
| Neuplanung |
vor allem bei vorhandener OM3-Infrastruktur |
häufig bevorzugte Multimode-Lösung |
besonders interessant für große Reichweiten und neue Singlemode-Strecken |
* Reichweiten nie nur aus „OM4“ oder „OS2“ ableiten. Die tatsächlich zulässige Strecke wird durch den konkreten Ethernet-Standard, Transceiver, Wellenlänge, Anzahl der Steckverbindungen, Spleiße und das verfügbare optische Dämpfungsbudget bestimmt.
Wann ist OM3 die richtige Glasfaser?
OM3 ist eine laseroptimierte 50/125-µm-Multimode-Faser und weiterhin in vielen vorhandenen Unternehmensnetzen und Rechenzentren installiert.
Für 10GBASE-SR sind über OM3 typischerweise Strecken bis etwa 300 m möglich. OM3 ist deshalb vor allem interessant, wenn eine bestehende OM3-Verkabelung erweitert, repariert oder gepatcht werden soll.
Bei einer vollständig neuen Multimode-Verkabelung sollte dagegen geprüft werden, ob OM4 wegen seiner höheren modalen Bandbreite und zusätzlichen Reichweitenreserve die wirtschaftlich sinnvollere Lösung ist.
Wann sollte ich OM4 verwenden?
OM4 verwendet ebenfalls einen 50/125-µm-Multimode-Faseraufbau, bietet gegenüber OM3 jedoch eine höhere effektive modale Bandbreite.
OM4 ist deshalb besonders interessant für:
- Serverräume und Rechenzentren
- Switch-zu-Switch-Verbindungen
- Patchfelder und aktive Netzwerktechnik
- Storage-Netzwerke
- Etagen- und Gebäudeverkabelungen
- Multimode-Backbones
- hohe Datenraten auf kurzen und mittleren Strecken
Praxisempfehlung: Wenn eine neue Multimode-Strecke aufgebaut wird und kein zwingender Grund für OM3 besteht, ist OM4 wegen der höheren Leistungsreserve häufig die sinnvollere Wahl.
Wann brauche ich OS2 Singlemode?
OS2 unterscheidet sich grundsätzlich von OM3 und OM4. Statt einer 50/125-µm-Multimode-Faser verwendet OS2 eine 9/125-µm-Singlemode-Faser.
Durch die Singlemode-Übertragung sind wesentlich größere Reichweiten möglich. Typische Anwendungen sind:
- FTTH- und FTTB-Anschlüsse
- Glasfaser-Router und optische Teilnehmeranschlüsse
- Gebäude-zu-Gebäude-Verbindungen
- Campus-Netze
- WAN-Verbindungen
- Telekommunikationsnetze
- lange Glasfaser-Backbones
Ein typisches Beispiel ist 10GBASE-LR: Mit geeigneten Singlemode-Transceivern sind über OS2 Reichweiten bis etwa 10 km möglich. Andere Singlemode-Standards besitzen jeweils eigene Reichweiten.
Multimode oder Singlemode – was ist der Unterschied?
Multimode – OM3 und OM4
Bei Multimode-Fasern können sich mehrere Lichtmoden im Faserkern ausbreiten. Sie werden vor allem für kurze und mittlere Datenverbindungen innerhalb von Gebäuden und Rechenzentren verwendet.
OM3 und OM4 besitzen beide einen Kern von 50 µm. OM4 bietet aufgrund der höheren modalen Bandbreite zusätzliche Leistungsreserve.
Singlemode – OS2
OS2 besitzt einen deutlich kleineren Faserkern von ungefähr 9 µm und überträgt praktisch nur einen Lichtmodus.
Dadurch sind mit geeigneten Singlemode-Transceivern wesentlich größere Entfernungen möglich. Typische Anwendungen reichen von FTTH bis zu Campus-, WAN- und Backbone-Strecken.
LC, SC, MPO/MTP, UPC oder APC – gehört das zu OM3, OM4 oder OS2?
Fasertyp und Steckertyp sind zwei unterschiedliche Eigenschaften. OM3, OM4 und OS2 beschreiben die optische Faser. LC, SC, ST und MPO/MTP bezeichnen dagegen Stecksysteme.
PC, UPC und APC beschreiben wiederum die Ausführung beziehungsweise Politur der optischen Faserstirnfläche.
| Begriff |
Was wird beschrieben? |
Beispiel |
| OM3 / OM4 |
Multimode-Faserklasse |
OM4 50/125 µm |
| OS2 |
Singlemode-Faserklasse |
OS2 9/125 µm |
| LC / SC / ST |
mechanische Steckerbauform |
LC-Duplex oder SC-Simplex |
| MPO / MTP |
Mehrfaser-Stecksystem |
Paralleloptik wie klassisches 40GBASE-SR4 |
| UPC / APC |
Politur der Faserstirnfläche |
LC/APC oder SC/APC |
Wichtig: Ein LC-Stecker bedeutet nicht automatisch Multimode und ein SC-Stecker nicht automatisch Singlemode. LC und SC können für beide Faserarten verwendet werden. Bei Singlemode-Verbindungen außerdem APC und UPC nicht direkt miteinander koppeln.
LC, SC oder ST? Welcher LWL-Stecker für Switch, Patchfeld, Rechenzentrum, FTTH oder bestehende Installation passt. LWL zwischen Gebäuden Outdoor-Glasfaser, Leerrohre, Gebäude-zu-Gebäude-Verbindungen und Auswahl zwischen Multimode und Singlemode. Glasfaserkabel für Router OS2, LC/APC, SC/APC, GF-TA, ONT und direkte Glasfaser-Router richtig auswählen.
40 und 100 Gigabit – warum reicht „OM4“ allein nicht als Auswahl?
Bei 10GBASE-SR wird häufig eine klassische Zwei-Faser-Verbindung mit Duplex-LC eingesetzt. Bei höheren Datenraten können jedoch unterschiedliche optische Konzepte verwendet werden.
Ein wichtiges Beispiel ist 40GBASE-SR4. Dieser Standard arbeitet klassisch mit Paralleloptik und mehreren Fasern. Dafür wird typischerweise MPO/MTP statt eines normalen Duplex-LC-Kabels eingesetzt.
Ähnliches gilt für 100 Gigabit: Je nach 100G-Ethernet-Standard kann die benötigte Faseranzahl, Reichweite und Steckerform deutlich unterschiedlich sein.
Deshalb: Nicht einfach „OM4 = 40 oder 100 Gbit/s“ annehmen. Vor der Bestellung immer die genaue Transceiver-Bezeichnung und dessen optische Schnittstelle prüfen.
Kann ich OM3 und OM4 miteinander verbinden?
Grundsätzlich ja. OM3 und OM4 sind beide 50/125-µm-Multimode-Fasern und können innerhalb einer Multimode-Infrastruktur miteinander gekoppelt werden.
Für eine zuverlässige Leistungsplanung sollte jedoch möglichst ein einheitlicher Fasertyp verwendet werden. Bei einer gemischten Strecke sollte vom leistungsschwächsten Abschnitt ausgegangen werden.
Kann ich OM4 und OS2 miteinander verbinden?
Nicht als normale durchgängige Ethernet-Strecke. OM4 ist Multimode, OS2 Singlemode. Beide benötigen normalerweise unterschiedliche optische Transceiver.
Ein Multimode-SFP für OM4 sollte deshalb nicht einfach an eine OS2-Singlemode-Strecke angeschlossen werden – und umgekehrt.
Ist OS2 automatisch besser als OM4?
Nein. OS2 ermöglicht größere Reichweiten, während OM4 für viele kurze und mittlere Hochgeschwindigkeitsverbindungen innerhalb von Gebäuden und Rechenzentren sehr gut geeignet ist.
Die technisch und wirtschaftlich passende Lösung hängt vom Projekt ab:
- kurze Hochgeschwindigkeitsverbindung im Serverraum: häufig OM4
- vorhandene OM3-Infrastruktur: OM3 kann sinnvoll sein
- FTTH und Glasfaser-Router: OS2
- größere Gebäude- oder Campusstrecke: OS2 besonders prüfen
- bestehendes Multimode-Campusnetz: vorhandene Technik und Transceiver berücksichtigen
Vier Punkte vor der Bestellung eines Glasfaserkabels prüfen
1 Fasertyp
OM3, OM4 oder OS2 muss zur vorhandenen Infrastruktur und zum Transceiver passen.
2 Steckertyp
LC, SC, ST oder MPO/MTP muss mechanisch zur Gegenstelle passen.
3 Schliff
Bei Singlemode insbesondere UPC und APC korrekt auswählen.
4 Faseranzahl
Simplex, Duplex oder Mehrfasertechnik muss zur eingesetzten optischen Verbindung passen.
Passende DINIC Glasfaserkabel auswählen
Häufige Fragen zu OM3, OM4 und OS2
Welche Glasfaser brauche ich für 10 Gbit/s?
Für 10GBASE-SR eignen sich OM3 und OM4 Multimode. OM3 ermöglicht typischerweise bis etwa 300 m, OM4 bis etwa 400 m. Für größere Distanzen kann beispielsweise OS2 zusammen mit passenden 10GBASE-LR-Transceivern eingesetzt werden.
Welche Glasfaser brauche ich für 40 Gbit/s?
40GBASE-SR4 erreicht typischerweise bis etwa 100 m über OM3 und bis etwa 150 m über OM4. Klassisches SR4 verwendet Paralleloptik und üblicherweise MPO/MTP-Stecksysteme. Für größere Entfernungen stehen entsprechende Singlemode-Lösungen auf OS2 zur Verfügung.
Welche Glasfaser brauche ich für 100 Gbit/s?
Das hängt vom eingesetzten 100-Gigabit-Ethernet-Standard ab. Beispielsweise erreicht 100GBASE-SR4 typischerweise etwa 70 m über OM3 und 100 m über OM4. Andere 100G-Optiken besitzen andere Reichweiten und Stecker. Für größere Entfernungen wird häufig OS2 Singlemode eingesetzt.
Was ist besser – OM3 oder OM4?
OM4 besitzt eine höhere modale Bandbreite und bietet bei vielen Multimode-Anwendungen zusätzliche Reichweitenreserve. Bei einer vorhandenen OM3-Infrastruktur kann OM3 weiterhin sinnvoll sein; für neue Multimode-Strecken wird häufig OM4 bevorzugt.
Was ist der Unterschied zwischen OM4 und OS2?
OM4 ist eine 50/125-µm-Multimode-Faser für kurze und mittlere Hochgeschwindigkeitsverbindungen. OS2 ist eine 9/125-µm-Singlemode-Faser und ermöglicht mit geeigneten Transceivern deutlich größere Reichweiten.
Ist OM4 Singlemode?
Nein. OM4 ist eine Multimode-Faser mit 50/125 µm. OS2 ist Singlemode mit etwa 9/125 µm.
Welche Glasfaser wird für FTTH verwendet?
FTTH- und FTTB-Anschlüsse verwenden typischerweise OS2-Singlemode. Als Steckverbinder kommen je nach Installation beispielsweise SC/APC oder LC/APC zum Einsatz.
Welche Glasfaser brauche ich für einen Glasfaser-Router?
Für typische direkte FTTH-Routeranschlüsse wird OS2-Singlemode verwendet. Zusätzlich müssen die Steckverbinder an Router beziehungsweise Fiber-Modul und GF-TA passen, beispielsweise LC/APC auf LC/APC oder LC/APC auf SC/APC.
Ist LC ein OM4-Stecker?
Nein. LC ist lediglich eine Steckerbauform. Ein LC-Stecker kann an OM3, OM4 oder OS2 eingesetzt werden. Fasertyp und Steckertyp müssen getrennt ausgewählt werden.
Kann ich OM3 und OM4 mischen?
Grundsätzlich ja, da beide 50/125-µm-Multimode-Fasern verwenden. Die Leistungsplanung sollte dann jedoch nach dem schwächsten Teil der Strecke erfolgen.
Kann ich OM4 mit OS2 verbinden?
Nicht als normale durchgängige optische Ethernet-Strecke. OM4 und OS2 verwenden unterschiedliche Fasertechniken und normalerweise unterschiedliche Transceiver.
Welche Kabelfarbe hat OM3, OM4 oder OS2?
OM3 wird häufig aqua beziehungsweise türkis gekennzeichnet, OM4 häufig aqua oder erikaviolett und OS2 häufig gelb. Die Farbe ist jedoch nur eine Orientierungshilfe. Maßgeblich ist immer die tatsächliche technische Kennzeichnung des Kabels.
Die passende Glasfaser für Ihr Netzwerk
OM4 Multimode für professionelle Netzwerk- und Rechenzentrumsverbindungen, robuste Outdoor-LWL-Lösungen sowie OS2 Singlemode für FTTH, Router und größere Entfernungen.